Café Kitsch

Das Genuss-Café mit Online-Shop.

Zusätzlich Gastgeberin der Marktschwärmerei in Linz am Rhein. Hier wie auch im Ladengeschäft sind die Produkte von „Kerstins veganer Manufaktur“ erhältlich. Außerdem in weiteren Marktschwärmereien wie Rhöndorf, Bonn. Weitere folgen.

Persönlich sind wir in der Rheinstraße 4, Linz am Rhein, von 10 bis 18 Uhr, außer montags, für Euch da.

Herr Mut fast zu Besuch

An diesem Tag wollte ich eigentlich gar nicht nach Linz, dennoch stand ich plötzlich vor dem Schaufenster von Kerstins Geschäft. Natürlich nicht ohne mein Zutun, das wäre sehr bedenklich, wenn jemand einen Ideengeist einfach irgendwohin bringen könnte gegen seinen Willen. Nein, ursprünglich hatte ich nicht den Plan, Linz zu besuchen, aber das ergab sich dann aus einer Laune heraus. Ich war einfach neugierig, wie es Kerstin inzwischen ging. Das Leben war mit dem Krieg in der Ukraine sicher nicht einfacher geworden.
Ich persönlich habe da eine etwas, sagen wir mal, Außenseitermeinung. Das hat auch damit zu tun, dass ich als Ideengeist auf ganz andere Erfahrungen zurückgreifen kann als ein normaler Sterblicher. Hinzu kommt, dass ich eben nicht nur in Deutschland „lebe“, sondern auf der gesamten Erde. Für mich ist also Syrien genauso nah wie die Ukraine. Daher unterscheide ich auch nicht zwischen Kriegsopfern in Syrien oder in der Ukraine. Ein verletzter Mensch ist ein verletzter Mensch und ein getöteter Mensch ist ein getöteter Mensch. Mir ist natürlich bewusst, dass die menschliche Natur ist wie sie ist, egal, wie stolz die Menschen auf ihre Kultur, auf ihre Philosophie, auf ihre Ethik und Moral sind, denn mit ihrem Verhalten zeigen sie jeden Tag immer wieder, dass all diese Konzepte nur im Geistigen existieren, und daran hat sich in den Jahrtausenden, die ich die Menschen nun schon begleite, überhaupt nichts geändert.
Geändert hat sich nur die Fähigkeit des Menschen, die materielle Welt zu verändern. War es erst das Feuer, dann das Rad, wurden irgendwann Kühlschränke und Waschmaschinen daraus, heute sind es Smartphones und selbstfahrende Autos. In 500 Jahren werden es vermutlich Raumschiffe sein. So genau weiß ich es nicht und ich werde mich hüten, da eine Prognose abzugeben, denn vor 500 Jahren hätte ich so was von daneben gelegen.
Was ich auch immer wieder erlebt habe: Die Menschen jeder Epoche, wirklich jeder, haben ernsthaft gedacht, die Fortschritte, die sie erreicht hatten, wären etwas Besonderes und nur noch graduell entwicklungsfähig. Dann kam die Elektrizität, vielmehr deren Nutzung. Aktuell ist es die digitale Welt, damit gleichzeitig auch eine Abkehr von der reinen Materie, trotz aller Bemühungen, die digitale Welt materiell zu erklären (Stichwort Quantenphysik). Doch was, wenn sich wirklich eines Tages das Bewusstsein digitalisieren lässt? Wie viel Materie steckt dann noch in einem menschlichen Leben? Oder ist es wirklich so, dass im Mikrokosmos die Leere vorherrscht?
Das ist alles eine sehr einfache, vereinfachende Sicht auf die Welt, das weiß ich. Doch es ist auch so, dass der menschliche Geist eigentlich sehr einfach gebaut ist. Das sieht man schon daran, dass die meisten, vielleicht sogar alle Menschen das, was sie glauben, für Wissen halten.
Oder etwa nicht? Es lässt sich relativ leicht überprüfen, indem man sich fragt, woher ich etwas weiß, was ich glaube zu wissen. Woher weiß ich zum Beispiel, dass die Sonne sich um die Erde dreht? Diese Frage wäre tatsächlich mal eine ernsthafte gewesen und eine ehrliche Antwort hätte gezeigt: Die Menschen wissen es gar nicht, sie glauben es nur, weil es ihnen jemand, dem sie vertrauen, erzählt hat. Wie hätten sie es auch überprüfen können?
Doch ist es heute mit der Frage anders, ob sich die Erde wirklich um die Sonne dreht? Wie möchte ein Mensch das wirklich überprüfen? Natürlich können die klugen Wissenschaftler hier Einiges ins Feld führen und sicherlich glauben sie auch, dass sie damit die Aussage beweisen. Innerhalb ihres Weltbildes tun sie es tatsächlich. Ob ihr Weltbild allerdings objektiv überprüfbar oder gar beweisbar ist, steht auf einem anderen Blatt.
Doch ich schweife sehr ab, eigentlich wollte ich ja nur Kerstin besuchen und sehen, wie es ihr geht.
Jedenfalls war es ein schöner, sonniger Frühlingstag, aber leider auch ein Montag, und somit war das Geschäft geschlossen. Ich überlegte kurz, ob ich klingeln sollte, doch dann entschied ich, sie an ihrem Ruhetag nicht stören zu wollen.
Es würden sich ganz sicher noch Gelegenheiten ergeben, sie zu fragen. Allmählich zeichnete es sich ja ab, dass trotz Ukraine und trotz Corona das Leben vielleicht etwas normaler werden würde. Für die Menschen zumindest, wir Ideengeister sind da ja sowieso weniger betroffen.
Vielleicht besuche ich sie ja auf dem Event am 1. April und sehe dabei den Drehorgler Josef mal wieder. Zumindest nahm ich mir das vor, als ich Linz wieder verließ.

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