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Trump im Haus – nicht

„Trump kommt mir nicht ins Haus!“

Finde ich grundsätzlich gut, allerdings denke ich, dass so ein Satz aus dem Kontext gerissen etwas missverständlich sein könnte, daher erlaube ich mir an dieser Stelle einige erklärende Worte. Dazu muss ich aber etwas weiter ausholen, ich bitte dies im Vorfeld zu entschuldigen.

Zunächst könnte man sich durchaus fragen, von wem diese Aussage stammt. Um es nicht zu spannend zu machen, sei bereits hier verraten, dass Kerstin dies gesagt hat und mit „ins Haus“ das Café Kitsch gemeint war. Interessant ist aber, dass der Satz genauso gut von Fiona hätte stammen können. Weil nämlich erst vor Kurzem eine interessante Diskussion genau zwischen ihr und meiner Wenigkeit zu einem vergleichbaren Thema stattgefunden hat.

Das kam so … Ach so, Ihr wisst ja gar nicht, wer Fiona ist, oder? Sie ist bisher nicht in Linz und insbesondere im Café aufgetaucht. Also, nicht real. Nun, die hinterlinkten Links führen zu Fiona, daher möchte ich an dieser Stelle nicht sehr ausführlich auf sie eingehen. Einige Worte halte ich aber dennoch für angebracht, damit unser „Gespräch“ besser nachvollzogen werden kann. Man muss nämlich wissen, dass Fiona und Kerstin durchaus einige Gemeinsamkeiten haben. Das ist Zufall, mag man es glauben oder nicht. Isso. Also, Fiona hat ihre eigenen Vorstellungen darüber, was richtig und falsch ist. Das trifft nicht immer den Mainstream, was ihr aber herzlichst egal ist. Als Kriegerin ist sie für das Gleichgewicht zuständig und muss selbst entscheiden, ob und wie sie eingreift. Das geht nicht, wenn man ständig an sich und den eigenen Entscheidungen zweifelt. Außerdem ist es nicht ihre Art.

Selbstverständlich hat Fiona auch zu Trump ihre eigenen Ansichten. Ich persönlich finde es interessant, dass Fiona diesen Mann für keine Störung des Gleichgewichts hält, aber gut. Sie wird es sicherlich begründen können. Letztlich hängt es auch davon ab, wie Gleichgewicht definiert wird. Aber das nur am Rande erwähnt.

Jedenfalls, als ich mal wieder bei Kerstin im Café saß und AUSNAHMSWEISE (!!!) mal eine Trinkschokolade zu mir nahm, wenn auch ganz bewusst NICHT Chilli Bird´s Eye, sondern … Halt, stopp! Ich verrate es mal besser nicht. 🙂 Wie dem auch sei, ich saß also im Café und hörte wie Kerstin oben erwähnten Satz sagte. Ich glaube, das war zu der Zeit, als Erdogan Hausverbot im Schloss Wahn bekommen hat. Es hat Kerstin sehr erleichtert zu wissen, dass sie die Möglichkeit hat, selbst scheinbar so mächtigen Leuten den Zutritt zu verwehren. Und bei der Gelegenheit wies sie gleich mal in aller Deutlichkeit darauf hin, wen sie da ganz besonders im Blick hat.

Da fiel mir sofort Fiona ein, besser gesagt, was sie vor gar nicht langer Zeit mal in einem Gespräch zu mir gesagt hat:

„Herr Mut, ich denke, Sie wissen schon, dass ich schnell dabei bin, meine Meinung allen zu sagen, ob sie es hören wollen oder nicht.“

„Ja, das ist mir allerdings bekannt“, erwiderte ich wahrheitsgemäß. Schließlich war ich dem auch schon zum Opfer gefallen, gelegentlich.

„Weiß ich ja“, sagte sie grinsend. „Sie wissen bestimmt, was persona non grata ist?“

„Ja, Toll Schreiber in allen Bibliotheken.“

Sie lachte schallend auf. „Ja, außer in meinen Träumen. Egal. Ich habe auch eine solche Liste. Nicht einmal für mich persönlich, sondern fürs Büro. Monica liegt diese auch vor. Das sind Leute, mit denen ich grundsätzlich keine Geschäfte machen würde und die unser Firmengelände nicht einmal betreten dürften. Das ist natürlich eine heikle Sache. Ich meine, wie viele Firmen machen gerade mit solchen Partnern Geschäfte, die … na ja, durchaus auch als Störung des Gleichgewichts bezeichnet werden könnten. Ich persönlich bin da vorsichtig, als Kriegerin, denn wenn alle nur gut wären, hätten wir sicher kein Gleichgewicht. Aber das ist etwas, worüber ich mit niemandem öffentlich reden würde.“

„Hätten wir dann nicht das Paradies?“

Fiona starrte mich entgeistert an. „Wenn alle gut wären? Wovon träumen Sie nachts, Herr Mut? Vergessen Sie es. Der Mensch braucht das Böse wie die Luft zum Atmen. Was glauben Sie denn, warum einer wie Trump zum Beispiel so erfolgreich ist? Warum wird er, gerade er, von Frauen gewählt? Also, auch von Frauen? Von mir nicht, aber das ist ein anderes Thema. Also, von mir sowieso nicht, ich lebe ja nicht in den USA. Aber selbst wenn, würde ich ihn ganz sicher nicht wählen. Doch es gibt viele Frauen, die ihn wählen, weil er so ist, wie er ist. Endlich mal ein echter Mann! Ernsthaft, ich habe es selbst gehört. Da habe ich darüber nachgedacht, ob ich einen Fehler gemacht habe, als ich Emily gestoppt habe. Aber okay, ist vorbei.“

„Also ist Trump persona non grata bei CSE?“

„Definitiv.“

„Hm. Möglicherweise würden Sie aber auf viel Geld verzichten. Und Sie müssen ja auch an Ihre Angestellten denken.“

„Ernsthaft? Ich bin mir nicht sicher, ob es auch nur einen einzigen Mitarbeiter gebe, der dafür wäre, mit dem Geschäfte zu machen. Ich kenne ja die meisten persönlich von früher. Klar, es ist immer auch ein Abwägen, wo die Grenze liegt. Und ganz ehrlich, das große Geschäft ist meist unmoralisch. Selbst diejenigen, die mal moralisch integer angetreten sind, haben irgendwann die Moral im Straßengraben vergessen. Ab einer bestimmten Größe interessiert die Moral nicht mehr. Besser gesagt, sie ist nur noch hinderlich.“

„Oh, oh, Fiona, das ist aber sehr pessimistisch, meinen Sie nicht? Was ist denn mit Ihnen?“

Sie zuckte die Achseln. „Als Kriegerin bin ich eher kein Maßstab. Als CEO müsste ich mir natürlich überlegen, wie groß ich werden will oder kann, ohne meine Prinzipien begraben zu müssen. Eigentlich habe ich mich da bereits entschieden, aber ich bin in der glücklichen Lage, es mir leisten zu können.“

„Sind wir das nicht alle?“

„Doch“, antwortete sie lächelnd. „Aber wer weiß das schon?“

„Sie sind wirklich der schlimmste Misanthrop, den ich kenne, Fiona!“

„Da ist vermutlich was dran. Aber mal ehrlich, wundert Sie das?“

„Nicht wirklich. Also gut, Trump hat bei Ihnen Hausverbot. Das ist doch immerhin etwas.“

„Meine Moral ist ja auch nicht im Straßengraben. Sie mag etwas eigenwillig sein, okay. Aber ich war noch nie besonders angepasst.“

„Das unterschreibe ich sofort, Fiona. Sie untertreiben noch eher. Also gut, ich werde jetzt mal wieder nach Linz reisen. Für mich als Ideengeist ist es ja nicht so eine große Sache. Für Sie eigentlich doch auch nicht, durch die Verborgene Welt. Wollen Sie Kerstin nicht mal einen Besuch abstatten? Für Sie wäre Chilli Bird´s Eye bestimmt was.“

Sie zog die Augenbrauen hoch. „Was zum Teufel ist das denn?“

„Eine von 18 Sorten Trinkschokolade. Ich habe sie noch nicht getrunken, der Name lässt mich vermuten, dass ich dann möglicherweise unter der Decke herumschwebe, obwohl Vanesa mal gesagt hat, dass sie noch keinen Gast von der Decke holen mussten. Aber vielleicht wäre ich der Erste. Als Ideengeist bin ich doch etwas … Wie soll ich es ausdrücken?“

„Abgehoben?“

„Fiona, Sie sind wirklich respektlos!“, erwiderte ich indigniert.

„Ach?“

„Und eine Diebin! Das ‚Ach?‘ ist meins!“

„Von wegen. Aber ich will Sie nicht ärgern, ich mag Sie ja, Herr Mut. Grüßen Sie Kerstin unbekannterweise von mir, wir scheinen uns ja nicht unähnlich zu sein.“

„Zumindest in mancher Hinsicht. Ich werde es ihr ausrichten.“

Das tat ich dann auch, als ich meine Trinkschokolade bestellte. Habe ich schon erwähnt, dass ich nicht Chilli Bird´s Eye genommen habe?

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An einem Tag im Juni

Der Sommer ist da. Also, fast. Kommt darauf an, von welcher Warte aus wir die Sache betrachten. Das Wetter ist schon sommerlich, mit allem, was dazu gehört, einschließlich Freitalbad in Wuppertal. Praktisch gesehen fahren da so gut wie nur Wagen mit sauberem Unterboden herum. Unpraktisch dabei ist nur das ganze Öl, was durch die mancherorts inbegriffene Motorwäsche auch in den Pool gelangt ist. Aber wir, zumindest was mich betrifft, wollen ja nicht meckern, denn in Linz am Rhein ist das Wasser dort geblieben, wo es hingehört: im Rhein. Dass dies nicht selbstverständlich ist, haben wir ja im Januar erst gesehen.

Im Café Kitsch, meinem Lieblingscafé in diesem malerisch bunten Ort, ist alles wie früher. Also, fast. Irgendwas ist anders. Nein, das ist nicht schlimm, im Gegenteil. Am 1. März feierte das Café ja Einjähriges, nun ist nicht mehr alles das erste Mal, sondern es gibt den Vergleich mit dem Vorjahr. Als ich Kerstin mal gefragt habe, wie sie die Entwicklung findet, meinte sie, dass sie nicht unzufrieden ist. Es war viel Arbeit, viel Einsatz, das Café nach ihren Vorstellungen zu gestalten, Einiges ist ja jetzt anders als vor einem Jahr, aber es hätte sich durchaus gelohnt. Sie hat einen beachtlichen Anteil an Stammkunden aufgebaut. Manche kommen sehr regelmäßig und in kurzen Abständen, andere weniger regelmäßig oder in größeren Abständen, aber es sind sehr viele, die wiederkommen, weil es ihnen so gut gefallen hat. Dass dies nicht einfach nur so dahergeredet ist, sieht man ja auch an den Bewertungen auf Google Maps.

Ich selbst bin regelmäßig da und eigentlich auch häufig. In den letzten Monaten sah man mich allerdings eher seltener in Linz, aber das hatte mit Fiona zu tun. Im Moment werde ich da aber anscheinend nicht gebraucht, wenn doch, sagt mir Toll Schreiber sicherlich rechtzeitig Bescheid, dieser Buchstabengourmet. Und so sitze ich mal wieder im, nein, vor dem Café, denn trotz des wolkenverhangenen Himmels an diesem Junitag sitze ich draußen. Es ist warm, allerdings auch schwül. Gestern war ja Feiertag, entsprechend mehr ist an diesem Freitag in der Stadt los. Auch Touristen, vielleicht sogar aus Wuppertal. Ich sollte mal nachsehen, ob im Hafen auch Schlauchbote angelegt haben. Okay, das ist nicht nett, ich weiß. Aber wieso soll ich immer nur nett sein? Ich bin ein Feingeist, aber ein Zyniker. Und Wuppertal war halt für kurze Zeit ein Wassertal. Das stammt übrigens nicht von mir, es stand auf Youtube. Und außerdem darf ich mich mit Wuppertal beschäftigen, in gewisser Weise ist das ja meine Geburtsstadt. Glaubt Ihr nicht? Mein allererstes Erlebnis erschien in einer Anthologie, die von dem Wuppertaler Autor Christian Oelemann herausgegeben wurde. Man könnte sagen, ich sei ein Wuppertaler. Und ich mag diese Stadt durchaus und bin froh, dass sie letztlich glimpflich davongekommen ist. Mit einem augenzwinkernden Lachen lässt sich alles besser ertragen. Ich meine, hier in Linz spielt ja Wasser auch eine besondere Rolle, nicht nur im Rhein, sondern auch außerhalb. Zum Beispiel als letztes Jahr der Frühjahrströdelmarkt war und es für zehn Minuten so geregnet hat, dass die Rheinstraße sich in einen Wasserfall verwandelt hat. Anschließend war die Unterführung zur Fähre nur schwimmend zu benutzen. Zehn Minuten! Wir können das also auch.

Ich bin jetzt fertig mit meinem Kaffee. Da Kerstin gut zu tun hat mit ihren Frühstückgenießern, belästige ich sie heute mal nicht mit meinen feingeistigen Kommentaren, sondern bezahle und verabschiede mich freundlich lächelnd. Sie lächelt zurück.
 

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Herr Mut im Paternoster