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Hitzefrei

Hitzefrei! Also, frei von Hitze. Das sind wir inzwischen wieder. Wobei, ich frage mich schon, warum die Hitze so ein Problem sein soll. Ich meine, es ist doch normal, dass es im Sommer warm ist. Oder sogar heiß. Selbst in Deutschland. Zwischendurch hatte ich wirklich das Gefühl, die Deutschen seien von einem schönen Sommer überrascht, als wenn sie es noch nie erlebt hätten. Und die Unkenrufer sind auch da, das sei alles eine Auswirkung des Klimawandels.

Lassen wir den Klimawandel doch mal da, wo er hingehört: in der Politik. Ich persönlich habe meine Zweifel, ob die heutigen „Superrechner“ wirklich in der Lage sind, zuverlässige Klimamodelle zu berechnen. Erstens dürfte die Leistung noch nicht ausreichen und zweitens, viel wichtiger, sind wir Menschen gar nicht in der Lage, alle Parameter, die für ein so komplexes (Öko-)System eine Rolle spielen, zu erkennen, zu erfassen und dann auch noch in Gleichungen zu pressen, die dann im Modell berücksichtigt werden.

Dass über sieben Milliarden Menschen die Erde beeinflussen, steht außer Frage. Doch über das Wie dürften wir nur sehr spekulative Aussagen treffen können, wenn wir das Ganze mal frei von Dogmen betrachten.

Egal, darüber wollte ich ja heute gar nicht schreiben, schließlich bin ich nur ein Ideengeist.

Jedenfalls hatten wir bisher einen ziemlich schönen Sommer, der uns jetzt plötzlich eine lange Nase dreht. Ich meine, im August eine Jacke anziehen? Das ist vielleicht nachts normal, aber zur Mittagszeit eher ungewöhnlich. Nun gut, im statistischen Mittel ist der August immer noch normal warm. Immerhin. Hier, in Linz am Rhein, ist man unbeeindruckt, so scheint es mir. Die Fähre fährt, wie immer, von einem Ufer zum anderen und zurück. Was sollte sie auch sonst machen? Es gab ja keine Handgranaten, Dinosaurierreste oder Schiffwracks zu entdecken. Ich meine, Handgranaten braucht ja kein Mensch. Oder andere Granaten. Auch keine mit Museumswert. Allerdings sind das Zutaten für eine interessante Fantasy-Story: Die Granaten stammen gar nicht aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern haben irgendwann in grauer Vorzeit den Mammut über die Regenbogenbrücke befördert, dessen Stoßzahnreste neulich gefunden wurden. In Düsseldorf. Das ist so ein Städtchen weiter rheinabwärts. Hat man ja schon mal gehört, den Namen. Linz, das ist natürlich eine andere Hausnummer. Da kann so ein Städtchen wie Düsseldorf nicht mithalten. Kein Wunder, dass sie einen Mammutzahn aus dem Hut respektive Rhein zaubern müssen, damit überhaupt jemand weiß, dass es diesen Ort gibt. Irgendwo in Deutschland, am Rhein. Ja, ja. Nötig haben die es wohl.

Wie auch immer, der Rhein ist dieses Jahr etwas wankelmütig, das kann man so sagen, glaube ich. Im Januar leckte er am Viadukt und hat es da mal wirklich geschafft, die Fähre zum Stillstand zu zwingen, selbst in Linz. Und nun kommen Sandbänke zum Vorschein, von denen wussten frische Generationen nicht einmal, dass es sie gibt. Ob sie es jetzt wissen, ist eine andere Frage. Vermutlich haben sie Wichtigeres zu tun, als die Sandbänke und deren Biotope zu bewundern. Sie habe ihre eigenen Biotope. Die Vertreter der jungen Generation, meine ich.

Neulich erzählte mal im Café Kitsch ein Gast, dass diese Sandbänke, nicht die junge Generation, eine interessante Abwechslung für die Zugvögel auf ihrer Flugroute seien. Vielleicht habe ich auch nur etwas falsch verstanden, das mag sein, denn Zugvögel im August? Nun gut, einige starten tatsächlich schon im Juli, wobei ich nicht weiß, wie es dieses Jahr war. Das Wetter muss sie ja völlig durcheinander gebracht haben. Damit will ich nicht sagen, dass es ungewöhnlich heiß war dieses Jahr. Eigentlich war es die letzten Jahre ungewöhnlich kalt. Früher, da war ja bekanntlich alles besser, auch die Sommer. Ich kann mich an einen April vor über zwanzig Jahren erinnern, da waren es deutlich über dreißig Grad. Celsius, nicht Kelvin. Letzteres wäre ein wenig zu kalt. Aber nur ein wenig.

Apropos, Hitze. Ich habe mal nachgelesen. Wer von Euch erinnert sich an den Tag, als man zu Fuß durch die Donau laufen konnte? Jawohl, die Donau, dieser Fluss, der bei Linz (in Österreich!) etwas über 200 Meter breit ist oder bei Budapest 400 bis 500 Meter. Diesen Fluss konnte man zu Fuß überqueren. Interessant wäre es noch zu wissen, wo. Aber vielleicht ja überall. Immerhin, der Jahrtausendsommer ist auch schon eine Weile her, nämlich fast 500 Jahre. Er fand 1540 statt und hat dafür gesorgt, dass man in London Meerwasser sehen konnte. Dort, wo sonst die Themse fließt. Das ist sicher nicht alltäglich. In dem Jahr haben die Rosen im Oktober ein zweites Mal geblüht, nur mal am Rande erwähnt. Nur das Bewässern war wohl etwas schwierig. Es regnete in dem Jahr nämlich praktisch nicht, etwa elf Monate lang. Heutzutage bricht die Wasserversorgung schon fast zusammen, wenn es mal zwei Monate lang einen normalen Sommer mit einigen Tagen über 30 Grad gibt. Wetten, in zehn Jahren weiß niemand mehr, wie das Wetter in 2018 war. Ja, war halt ein schöner Sommer, ne?

Die Touristen hat es aber nicht davon abgehalten, nach Linz (in Deutschland!) zu kommen. Obwohl es nicht alle Schiffe bis nach Linz geschafft haben. Immerhin, „Moby Dick“ sah man auch regelmäßig. Hut-Wetter war es. Hüte gingen gut, was ja kein Wunder ist. Doch jetzt beginnt allmählich die Schal-Saison. Natürlich gibt es bei Café Kitsch auch Schals, nicht nur 18 Sorten Trinkschokolade von Zotter. 😉

So, genug philosophiert. Ich muss wieder los und Herrn Toll Schreiber suchen, bevor er etwas anstellt. Nicht dass er in irgendeiner Buchhandlung alle Buchstaben aufisst. Da muss man echt aufpassen. Schließlich möchte kein Mensch Bücher mit leeren Seiten kaufen. Wobei, bei manchen Büchern würde es niemand merken.

Aber das ist ein anderes Thema.

 

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An einem Tag im Juni

Der Sommer ist da. Also, fast. Kommt darauf an, von welcher Warte aus wir die Sache betrachten. Das Wetter ist schon sommerlich, mit allem, was dazu gehört, einschließlich Freitalbad in Wuppertal. Praktisch gesehen fahren da so gut wie nur Wagen mit sauberem Unterboden herum. Unpraktisch dabei ist nur das ganze Öl, was durch die mancherorts inbegriffene Motorwäsche auch in den Pool gelangt ist. Aber wir, zumindest was mich betrifft, wollen ja nicht meckern, denn in Linz am Rhein ist das Wasser dort geblieben, wo es hingehört: im Rhein. Dass dies nicht selbstverständlich ist, haben wir ja im Januar erst gesehen.

Im Café Kitsch, meinem Lieblingscafé in diesem malerisch bunten Ort, ist alles wie früher. Also, fast. Irgendwas ist anders. Nein, das ist nicht schlimm, im Gegenteil. Am 1. März feierte das Café ja Einjähriges, nun ist nicht mehr alles das erste Mal, sondern es gibt den Vergleich mit dem Vorjahr. Als ich Kerstin mal gefragt habe, wie sie die Entwicklung findet, meinte sie, dass sie nicht unzufrieden ist. Es war viel Arbeit, viel Einsatz, das Café nach ihren Vorstellungen zu gestalten, Einiges ist ja jetzt anders als vor einem Jahr, aber es hätte sich durchaus gelohnt. Sie hat einen beachtlichen Anteil an Stammkunden aufgebaut. Manche kommen sehr regelmäßig und in kurzen Abständen, andere weniger regelmäßig oder in größeren Abständen, aber es sind sehr viele, die wiederkommen, weil es ihnen so gut gefallen hat. Dass dies nicht einfach nur so dahergeredet ist, sieht man ja auch an den Bewertungen auf Google Maps.

Ich selbst bin regelmäßig da und eigentlich auch häufig. In den letzten Monaten sah man mich allerdings eher seltener in Linz, aber das hatte mit Fiona zu tun. Im Moment werde ich da aber anscheinend nicht gebraucht, wenn doch, sagt mir Toll Schreiber sicherlich rechtzeitig Bescheid, dieser Buchstabengourmet. Und so sitze ich mal wieder im, nein, vor dem Café, denn trotz des wolkenverhangenen Himmels an diesem Junitag sitze ich draußen. Es ist warm, allerdings auch schwül. Gestern war ja Feiertag, entsprechend mehr ist an diesem Freitag in der Stadt los. Auch Touristen, vielleicht sogar aus Wuppertal. Ich sollte mal nachsehen, ob im Hafen auch Schlauchbote angelegt haben. Okay, das ist nicht nett, ich weiß. Aber wieso soll ich immer nur nett sein? Ich bin ein Feingeist, aber ein Zyniker. Und Wuppertal war halt für kurze Zeit ein Wassertal. Das stammt übrigens nicht von mir, es stand auf Youtube. Und außerdem darf ich mich mit Wuppertal beschäftigen, in gewisser Weise ist das ja meine Geburtsstadt. Glaubt Ihr nicht? Mein allererstes Erlebnis erschien in einer Anthologie, die von dem Wuppertaler Autor Christian Oelemann herausgegeben wurde. Man könnte sagen, ich sei ein Wuppertaler. Und ich mag diese Stadt durchaus und bin froh, dass sie letztlich glimpflich davongekommen ist. Mit einem augenzwinkernden Lachen lässt sich alles besser ertragen. Ich meine, hier in Linz spielt ja Wasser auch eine besondere Rolle, nicht nur im Rhein, sondern auch außerhalb. Zum Beispiel als letztes Jahr der Frühjahrströdelmarkt war und es für zehn Minuten so geregnet hat, dass die Rheinstraße sich in einen Wasserfall verwandelt hat. Anschließend war die Unterführung zur Fähre nur schwimmend zu benutzen. Zehn Minuten! Wir können das also auch.

Ich bin jetzt fertig mit meinem Kaffee. Da Kerstin gut zu tun hat mit ihren Frühstückgenießern, belästige ich sie heute mal nicht mit meinen feingeistigen Kommentaren, sondern bezahle und verabschiede mich freundlich lächelnd. Sie lächelt zurück.
 

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