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Herr Mut vermisst die Schokotarte

Als Ideengeist betrifft mich die Gefährdung durch ein Virus nicht, da Ideen nicht durch ein Virus zerstört werden können. Und Toll Schreiber ist für Viren ebenfalls uninteressant, er ist höchstens selbst eine Art Virus, da er sich von Buchstaben ernährt. Es wäre höchstens zu argumentieren, dass es von seiner Art nicht viele gibt, genau genommen weiß ich nur von ihm, insofern die Bücher keine bedrohte Art sind. Jedenfalls nicht durch jemanden, der Buchstaben wortwörtlich, nun ja, nicht verschlingt, aber irgendwie schon verspeist.

Also, was ich sagen will, Herr Schreiber und ich sind nicht direkt von dem Virus betroffen, aber indirekt natürlich schon, denn allein durch Linz zu gehen, ist nicht wirklich aufregend. Ich persönlich finde es am schlimmsten, dass auch das Café Kitsch geschlossen ist. Ich frage mich ernsthaft, wie lange ich auf meine heißgeliebte Schokotarte verzichten muss.

Ich glaube, ich mag dieses Virus wirklich nicht. Auf die Trinkschokolade Chili Bird´s Eye kann ich ja noch verzichten, zumal wenn ich bedenke, welche Auswirkungen sie letztes Jahr hatte.

Aber die Schokotarte? Nein, das geht wirklich nicht.

Ich bin dafür, dass wir dieses Virus jetzt mal abschaffen.

Natürlich weiß ich auch, dass es so einfach nicht gehen wird. Und da ich in meinem langen Leben wirklich richtig, richtig viel gesehen habe, darunter auch sehr unschöne Sachen, wünsche ich allen Menschen, dass diese herausfordernde Zeit eine Zeit wird, die Ihr, die Menschen, nutzt, um mal innezuhalten, durchzuatmen und nachzudenken, was wirklich wichtig ist.

Und nun treffe ich mich mit Herrn Schreiber auf eine Schachpartie. Ich gehe davon aus, dass wir dabei über Aktuelles sprechen werden. Sollte ausnahmsweise mal Herr Schreiber auch etwas Sinnvolles zu diesem Thema beisteuern, werde ich Euch darüber unterrichten.

Bis dahin, bleibt schön gesund. Wir lesen uns.

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Herr Mut ziert sich

Kerstin schaute mich fragend an, während ich fragend alles anschaute.
„Wie sieht es denn hier aus?“, entfuhr es mir unwillkürlich.
„Wie meinen Sie das? Und überhaupt, wo waren Sie die ganze Zeit?“
„Ach. Hier und da. Ich meine, hier sieht irgendwie alles anders aus!“
„Ja, das stimmt. Möchten Sie eine Trinkschokolade? Chili Bird´s Eye?“
Kerstin hatte manchmal schon einen schrägen Humor. Ich beschloss, darauf nicht einzugehen und setzte mich an den Tisch neben der Heizung.
„Götterdrink bitte“, sagte ich dann nur. „Und eine Schokotarte.“
„Mit oder ohne Sahne?“
„Ohne bitte.“
Während die Trinkschokolade vorbereitet wurde, machte sie meinen Teller mit der Schokotarte fertig und brachte ihn mir. Dann setzte sie sich auf die andere Seite des Tisches.
„Ich meine das ernst, Herr Mut. Wo waren Sie denn? Seit der Geschichte mit diesen komischen Geisterpiraten habe ich Sie nicht gesehen! Außerdem, wollten Sie nicht die Geschichte zu Ende schreiben?“
„Doch, schon“, murmelte ich mit vollem Mund. Ich liebte die Schokotarte! „Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich tun sollte.“
„Wieso denn nicht?!“, fragte sie entgeistert. „Die Leute warten doch darauf!“
„Ja, schon. Aber ich mache keine so gute Figur dabei.“
„Okaaay … Das finde ich allerdings nicht. Wir haben doch sozusagen gewonnen, und daran waren Sie ja beteiligt.“
„Ja, schon. Aber das mit Lola …“
„Oh, das meinen Sie!“, rief sie breit grinsend aus. „Das war doch süß!“
„Süß?!“ Ich musste daran denken, wie Fiona jetzt ausrasten würde. Aber ich war ja nicht Fiona. Zum Glück. Obwohl sie die Piraten wahrscheinlich mit links erledigt hätte, mit ihren Feuerbällen und so. Na gut, sie hätte es vielleicht mit ihrem Mundwerk versucht und es geschafft.
Aber sie war nun einmal nicht dabei.
„Entschuldigung“, erwiderte Kerstin, immer noch grinsend. „Also ich bestehe darauf, dass Sie das zu Ende niederschreiben, und zwar möglichst zeitnah. Schaffen Sie das?“
„Ich glaube schon.“ Ich sah sie aus großen Augen an. Dass sie es wagte, mit einem Ideengeist so zu reden? Aber eigentlich hatte sie ja recht. „Ja, gut, ich mache das. Zeitnah.“
„Sehr schön“, sagte sie zufrieden und erhob sich. „Entschuldigen Sie, Herr Mut, ich muss mich um meine neuen Gäste kümmern. Genießen Sie die Tarte und die Trinkschokolade.“
„Danke“, murmelte ich, dann war sie auch schon weg.
Seufzend starrte ich mein Zotter-Glas an. Das wird bestimmt peinlich werden. Vielleicht sollte ich die Sache mit Lola einfach weglassen. War ja für die Geschichte eigentlich nicht so wichtig.
Erneut seufzend trank ich den Götterdrink aus, aß das letzte Stück von der Schokotarte, bezahlte und ging aufgewühlt aus dem Café. Die Erinnerung an Lola setzte alles in Bewegung.
Vielleicht sollte ich sie einfach mal besuchen?