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An einem Tag im Juni

Der Sommer ist da. Also, fast. Kommt darauf an, von welcher Warte aus wir die Sache betrachten. Das Wetter ist schon sommerlich, mit allem, was dazu gehört, einschließlich Freitalbad in Wuppertal. Praktisch gesehen fahren da so gut wie nur Wagen mit sauberem Unterboden herum. Unpraktisch dabei ist nur das ganze Öl, was durch die mancherorts inbegriffene Motorwäsche auch in den Pool gelangt ist. Aber wir, zumindest was mich betrifft, wollen ja nicht meckern, denn in Linz am Rhein ist das Wasser dort geblieben, wo es hingehört: im Rhein. Dass dies nicht selbstverständlich ist, haben wir ja im Januar erst gesehen.

Im Café Kitsch, meinem Lieblingscafé in diesem malerisch bunten Ort, ist alles wie früher. Also, fast. Irgendwas ist anders. Nein, das ist nicht schlimm, im Gegenteil. Am 1. März feierte das Café ja Einjähriges, nun ist nicht mehr alles das erste Mal, sondern es gibt den Vergleich mit dem Vorjahr. Als ich Kerstin mal gefragt habe, wie sie die Entwicklung findet, meinte sie, dass sie nicht unzufrieden ist. Es war viel Arbeit, viel Einsatz, das Café nach ihren Vorstellungen zu gestalten, Einiges ist ja jetzt anders als vor einem Jahr, aber es hätte sich durchaus gelohnt. Sie hat einen beachtlichen Anteil an Stammkunden aufgebaut. Manche kommen sehr regelmäßig und in kurzen Abständen, andere weniger regelmäßig oder in größeren Abständen, aber es sind sehr viele, die wiederkommen, weil es ihnen so gut gefallen hat. Dass dies nicht einfach nur so dahergeredet ist, sieht man ja auch an den Bewertungen auf Google Maps.

Ich selbst bin regelmäßig da und eigentlich auch häufig. In den letzten Monaten sah man mich allerdings eher seltener in Linz, aber das hatte mit Fiona zu tun. Im Moment werde ich da aber anscheinend nicht gebraucht, wenn doch, sagt mir Toll Schreiber sicherlich rechtzeitig Bescheid, dieser Buchstabengourmet. Und so sitze ich mal wieder im, nein, vor dem Café, denn trotz des wolkenverhangenen Himmels an diesem Junitag sitze ich draußen. Es ist warm, allerdings auch schwül. Gestern war ja Feiertag, entsprechend mehr ist an diesem Freitag in der Stadt los. Auch Touristen, vielleicht sogar aus Wuppertal. Ich sollte mal nachsehen, ob im Hafen auch Schlauchbote angelegt haben. Okay, das ist nicht nett, ich weiß. Aber wieso soll ich immer nur nett sein? Ich bin ein Feingeist, aber ein Zyniker. Und Wuppertal war halt für kurze Zeit ein Wassertal. Das stammt übrigens nicht von mir, es stand auf Youtube. Und außerdem darf ich mich mit Wuppertal beschäftigen, in gewisser Weise ist das ja meine Geburtsstadt. Glaubt Ihr nicht? Mein allererstes Erlebnis erschien in einer Anthologie, die von dem Wuppertaler Autor Christian Oelemann herausgegeben wurde. Man könnte sagen, ich sei ein Wuppertaler. Und ich mag diese Stadt durchaus und bin froh, dass sie letztlich glimpflich davongekommen ist. Mit einem augenzwinkernden Lachen lässt sich alles besser ertragen. Ich meine, hier in Linz spielt ja Wasser auch eine besondere Rolle, nicht nur im Rhein, sondern auch außerhalb. Zum Beispiel als letztes Jahr der Frühjahrströdelmarkt war und es für zehn Minuten so geregnet hat, dass die Rheinstraße sich in einen Wasserfall verwandelt hat. Anschließend war die Unterführung zur Fähre nur schwimmend zu benutzen. Zehn Minuten! Wir können das also auch.

Ich bin jetzt fertig mit meinem Kaffee. Da Kerstin gut zu tun hat mit ihren Frühstückgenießern, belästige ich sie heute mal nicht mit meinen feingeistigen Kommentaren, sondern bezahle und verabschiede mich freundlich lächelnd. Sie lächelt zurück.